Jeder Einzelne ist gefordert
WIESADER KURIER vom 23.08.2003
Beim „Round table“ erlischt die Mitgliedschaft mit 40 Jahren /
Erster deutscher Club 1952 in Hamburg
Von Kurier-Mitarbeiterin Christina Oxfort
Geld sammeln, Scheck überreichen – und das war's? Nein. Wie bei zahlreichen anderen Service-Clubs, steht auch bei der Organisation „Round table“ das persönlich Engagement der einzelnen Mitglieder im Vordergrund und die Freude am gemeinsamen Handeln. Der Wiesbadener Round table mit der Nummer 131 ist, wie es der für die Kassengeschäfte zuständige Oliver Peschkes formuliert, ein „lockerer Haufen“, der Spaß am gemeinsamen Erleben, an „Aktiv-Wochenenden“ mit sportlichen Aktivitäten und an den zweiwöchigen Treffen des örtlichen Clubs, dem „Tischabend“, hat.
Gleichzeitig packen die ausschließlich männlichen Mitglieder, die mit Erreichen des 40. Lebensjahres zu den „Oldies“ gehören und den Club als aktives Mitglied verlassen müssen, kräftig an.
Etwa, wenn es um die Neugestaltung des Gartenbereichs der Lebenshilfe Schierstein geht. Hier haben die Mitglieder den Außenbereich des Wohnhauses für geistig Behinderte unter anderem mit einer Pergola verschönt, und das mit eigenen Geldern und in Handarbeit.
Bereits seit einigen Jahren unterstützt der „rt131“, so die interne Bezeichnung, das Wohnhaus der Lebenshilfe in Schierstein. Der persönliche Kontakt zu den Bewohnern wie den Betreuern sei für die Mitglieder, die zwischen 1963 und 1971 geboren sind, sehr wichtig, erläutert Peschkes. Der Anwalt, auch als Dozent an der Fachhochschule Wiesbaden tätig, konnte die Studenten des Fachbereichs Garten- und Landschaftsarchitektur für das Projekt der Neugestaltung und vor allem behindertengerechten Gestaltung des Gartenbereichs gewinnen – mehr als 50 Pläne wurden gefertigt und in Abstimmung mit der Heimleitung realisiert.
Analog den Vorstellungen anderer Clubs, achten auch die Round Tabler bei der Aufnahme neuer Mitglieder auf ein möglichst breit gefächertes Berufsspektrum. Derzeit finden sich unter den Mitgliedern Kaufleute, Anwälte, Ärzte und Ingenieure, mindestens ebenso vielseitig sind deren Interessen, die von Sport und Kultur bis hin zu Literatur oder Essen und Trinken reichen.
Im Gegensatz zu anderen Organisationen jedoch folgt die Aufnahme neuer Mitglieder nicht einem strengen Ritual, das Vorschläge der Mitglieder und Bürgen vorsieht. Wer sich für den Männer-Club interessiert, kann deren Treffen besuchen. Stimmt die Chemie, erfolgt die Aufnahme in den Wiesbadener Round table, die mit einem Jahresbeitrag von rund 150 Euro verbunden ist.
Zu den festen Regularien des Round table gehören die Tischabende mit gemeinsamem Essen und Vorträgen entweder aus den eigenen Reihen oder externen Referenten. Mindestens einmal jährlich treffen sich die Wiesbadener, die ihre Tischtreffen im Hotel Klee abhalten, mit einem europäischen Club der gleichen Nummer, nämlich 131, aus England, Holland oder Schweden - im Sinne und Interesse der Völkerverständigung, und um die „Tabling“-Rituale anderer Clubs kennen zu lernen.
Der erste deutsche Round table wurde 1952 in Hamburg gegründet. Die Idee zu einem Club, in dem die Mitgliedschaft mit dem 40. Lebensjahr automatisch erlischt, hatte Louis Marchesi, der Round table in England ins Leben rief. Unter dem Motto „adopt, adapt, improve“ – annehmen, weiter entwickeln, verbessern – erwartet die Organisation von ihren Mitgliedern Aufgeschlossenheit und Interesse gegenüber traditionellen wie neuen Ideen.
Das Motto entstammt einer Rede des Duke of Windsor, der 1927 junge Männer ermunterte, bewährte Lösungen zu übernehmen und sie auf die veränderten Verhältnisse der Gegenwart und der Zukunft weiterzuentwickeln und zu verbessern.